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Deutschland - Schlanke Prozesse im berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren

Autoren

Felix Hoffmann

Ausgangslage

Land: Deutschland

Spital: BG Klinikum Duisburg 

Spitalbereich: Unfallchirurgie

Problemstellung: 

Einrichtungen im Gesundheitswesen stehen vor der grossen Herausforderung, immer höheren Qualitätsansprüchen bei gleichzeitig steigendem Kostendruck gerecht werden zu müssen. Da die Höhe der Einnahmen kaum beeinflusst werden kann, müssen Ansätze gefunden werden, zeitgleich die Qualität zu steigern und Ausgaben zu reduzieren.

Die aus der Automobilindustrie stammende Methode „Lean Management“ ist ein vielversprechender Lösungsansatz, dieses Ziel durch die Elimination von Verschwendung zu erreichen und findet zunehmend den Weg in das Gesundheitswesen.

Ein Instrument des Lean Managements ist das Wertstrommanagement, bei dem alle nicht wertschöpfenden Aktivitäten eines Prozesses möglichst eliminiert, die verbliebenen Prozessschritte optimiert und Massnahmen zur frühzeitigen Fehlervermeidung etabliert werden.

Projektbeschreibung

Projektjahr: 2017

Projektdauer: 3 Monate

Vorbereitung

Es wird per Zufall ein Patient des BG Klinikums Duisburg ausgewählt, welcher sich im August 2016 oder früher eine Verletzung gemäss Verletzungsartenverzeichnis zugezogen hat. Vor Beginn der Auswertung wird von dem Patienten eine Einwilligung für die Datenauswertung eingeholt.

Tools

Wertstromanalyse

Umsetzung

Das Heilverfahren vom Unfall bis 12 Monate nach dem Unfall wird retrospektiv ausgewertet. Folgende Daten werden dabei erhoben: Alter, Beruf, Unfallfolgen, operative Eingriffe, Krankenhausaufenthalte, Abschluss des Heilverfahrens, Erstellung und Freigabe von Arztberichten, Eintritt der Arbeitsfähigkeit und Zeiträume der ambulanten Therapien.

 Die Ergebnisse werden als Wertstromdiagramm dargestellt. Es werden Verschwendung identifiziert, Qualitätsmängel benannt und schliesslich Optimierungspotenziale aufgezeigt

Resultat

Das Heilverfahren eines 45-jährigen Patienten, welcher sich eine offene Unterschenkelmehrfragmentfraktur zugezogen hat, wurde ausgewertet. Im Zuge seiner Behandlung waren zwei Krankenhausaufenthalte, zwei Operationen und ambulante Therapien erforderlich. Er war während des gesamten Erhebungszeitraums von 12 Monaten nicht arbeitsfähig.

Im Rahmen der Wertstromanalyse zeigten sich vier Besonderheiten, welche auf potentielle Mängel hinweisen könnten:

  1. Die definitive Frakturversorgung fand zwölf Tage nach der initialen Frakturstabilisierung mittels Fixateur externe statt.
  2. In einigen Arztbriefen kam es wiederholt zu Verwechslungen der betroffenen Seite.
  3. Nach der ersten Einheit ambulanter Behandlung gab es ein behandlungsfreies Intervall von über fünf Monaten.
  4. Der Entlassungsbrief des zweiten Krankenhausaufenthalts wurde 36 Tage nach der Entlassung freigegeben und versendet.

Die zuvor genannten Mängel lassen folgende Interpretation zu:

  1. Die Verzögerung der zweiten Operation ist der nötigen Weichteilkonsolidierung bei offener Fraktur geschuldet und entspricht damit einem zeitgerechten Behandlungsverlauf.
  2. Die wiederholte Verwechslung der betroffenen Seite in den Briefen ist ein Fehler, welcher potentiell gravierende Folgen nach sich ziehen kann. Eine automatische Übernahme der Diagnose aus dem KIS in den Arztbrief könnte diesen Fehler vermeiden, setzt jedoch eine entsprechende IT-Lösung voraus.
  3. Das behandlungsfreie Intervall von über fünf Monaten begründete sich durch eine deutlich verzögerte Frakturkonsolidierung, eine frühere Weiterbehandlung wäre kontraindiziert gewesen.
  4. Eine Erklärung für die stark verzögerte Freigabe des Entlassungsbriefes ergab sich im Rahmen der Recherche nicht. Hier besteht ein auch juristisch motivierter deutlicher Optimierungsbedarf der entsprechenden Prozesse.

Fazit: Im hier untersuchten Fall ist die Versorgung grösstenteils optimal abgelaufen, es konnten nur wenige Mängel mit Optimierungspotential identifiziert werden.

Die Wertstromanalyse ermöglicht es, systematisch Verbesserungspotential in einem Prozess zu detektieren. Eine Einschränkung dieser Auswertung besteht darin, dass es sich um einen Einzelfall handelt und somit die Übertragbarkeit auf andere Patienten eingeschränkt ist.

Quellenzitierung

Bitte zitieren Sie diese Quelle wie folgt:

Hoffmann, F. (2018). Schlanke Prozesse im berufsgenossenschaftlichen Heilverfahren. Abgerufen von www.leanhealth.ch

Literatur

Hoffmann, F (2018). Wertstrommanagement: Möglichkeiten, Grenzen und konzeptionelles Vorgehen des Lean Managements im Gesundheitswesen. KU Gesundheitsmanagement, 3/2017, 61–64.

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Kontakt

Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG)
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